Rommerskirchener erinnern an Reichspogromnacht

Rommerskirchen, den 10.11.2021

Mit gleich zwei Veranstaltungen wurde jetzt in Rommerskirchen offiziell der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 gedacht.
So verlegte der Historiker Josef Wißkirchen in Nettesheim auf Initiative des Vereins „Heimat + Historie NE-BU 962“ um Kathi Schmitz und Walter Giesen gemeinsam mit Bürgermeister Dr. Martin Mertens einen Stolperstein des Kölner Bildhauers Gunter Demnig, während auf Vorschlag des Ortsverbands von Bündnis 90/Die Grünen ein überparteilicher Gang vom Jüdischen Friedhof in Butzheim bis zum Lommertzweg stattfand, wo sich bis 1938 die örtliche Synagoge befand, die am 9. November 1938  zerstört wurde.
Den Stolperstein in Nettesheim verlegte Josef Wißkirchen – in Absprache mit Gunter Demnig. Der hatte 1996 damit begonnen, mit diesen Steinen an Menschen zu erinnern, die von den Nationalsozialisten deportiert und zumeist ermordet wurden. Inzwischen gibt es über 75.000 solcher Steine in fast 1300 deutschen Kommunen und in 24 europäischen Staaten. Der Stein an der Martinusstraße ist für Ilse Kaufmann bestimmt, die dort bis 1938 mit ihren Eltern und vier Geschwistern gelebt hat. Gedenksteine für ihre und andere in der Nachbarschaft lebende jüdische Familien hatte Gunter Demnig selbst bereits 2008 auf Betreiben von Peter Emunds und Matthias Kratz an der Martinusstraße verlegt. Die zeitliche „Verzögerung“ resultiert daraus, dass Josef Wißkirchen das Schicksal der zeitweilig von ihrer Familie getrennten, nur 17 Jahre alt gewordenen, Ilse Kaufmann erst einige Jahre später hat aufklären können. Die Kaufmanns siedelten nach den Verwüstungen des Novemberpogroms 1938 im folgenden Jahr gezwungenermaßen nach Köln über, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Nach Stationen in verschiedenen Sammellagern wurden sie am 20. Juli 1942 per Zug nach Minsk deportiert und mit mehr als 1100 anderen Juden am 24. Juli 1942 im Waldgebiet Blagowtschina durch Genickschuss ermordet. Martin Mertens verwies in seiner Ansprache darauf, dass das Novemberpogrom 1938 beileibe nicht allein von „braunen Marsmenschen“ verübt wurde. Das Haus der Kaufmanns etwa wurde von vier jungen Männern aus dem Doppeldorf NettesheimButzheim verwüstet, wie Zeitzeugen später berichteten. „Auch wenn der Holocaust kaum in Worte zu fassen ist“, eine Wiederholung der Schrecken des Holocaust sei keineswegs undenkbar, betonte der Bürgermeister. Daher sei es wichtig, sich antisemitischen Tendenzen bei jeder Gelegenheit entgegenzustellen und Gefahren für die Demokratie rechtzeitig zu bekämpfen.

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