Frau Schulze-Maaßen mit Cane Corso Hündin Mia

 

Frau Schulze-Maaßen mit Cane Corso Hündin Mia

Dass wir die Bezeichnung „Listenhunde“ sehr kritisch sehen und vor allem die Abschaffung der Liste selbst schon lange befürworten, ist kein Geheimnis. Und auch unsere Ansicht, dass kein Hund aggressiv auf die Welt kommt, hat weiterhin Bestand.

Besorgniserregend ist jedoch die Tatsache, dass sich Menschen Hunde anschaffen und dabei keine Ahnung von deren Rasse, Zucht oder Charaktereigenschaften haben. Da der Rottweiler ja bekanntlich in einigen Bundesländern, unter anderem auch NRW, auf der Liste steht, Mensch aber gerne „irgend sowas in der Art“ hätten ohne den unbequemen und lästigen Papierkram, sucht er sich eine Alternative: den Cane Corso!

Der Rottweiler entstammt einer langen Zuchtlinie von Schutzbegleithunden, die von Landwirten eingesetzt wurden um Haus und Hof zu bewachen, ebenso arbeiteten sie als Hirtenhunde. Heutzutage findet man die Rasse auch im Militär- oder Polizeidienst. Er stammt aus dem Genpool der Sennenhunde.

Der Cane Corso kommt aus Italien und war lange Zeit kaum außerhalb des Landes anzutreffen. Die Tiere werden dort hauptsächlich im Rudel gehalten und arbeiten als Schutz- und Hütehunde. Sie haben ein extrem ausgeprägtes territoriales Verständnis, eine grundlegende Wesenseigenschaft der Molosser, zu denen auch der Cane Corso zählt. Er wird gute 10 Kilogramm schwerer und einen halben Kopf größer als der Rottweiler.

 

Rottweiler-Hündin Angel

 

Rottweiler-Hündin Angel

Und hier kommt die Absurdität der Liste ans Licht! Wenn ein Rotti pauschal anders als ein nicht auf der Liste stehender Schäferhund zu betrachten ist, warum ist es dann nicht der Cane Corso, obwohl er den Rottweiler in allen Punkten übertrifft? Größer, mehr Gewicht und mehr Trieb!

Allein die Vorstellung, einen Cane Corso womöglich in einer Etagenwohnung zu halten, ihn maximal sein Geschäft draußen erledigen zu lassen und nicht anderweitig zu fördern, ist himmelschreiend falsch! Und dennoch werden wir damit mehr und mehr konfrontiert. Die Halter schaffen sich die Hunde an, verweigern ihnen jedoch den Lebensinhalt, für den sie jahrhundertelang gezüchtet wurden und wundern sich dann, dass es schief geht und der Hund aggressiv wird.

Wir im Tierheim Oekhoven kümmern uns in unserem Projekt „Hundetraining und Erziehung“ um diese besonderen Hunde, deren falsche Haltung dazu geführt hat, dass viele einen psychischen Knacks davongetragen haben. Und dennoch geben wir nicht auf, denn jedes Leben zählt und wir sind bereit, für jeden Hund eine Vermittlungsgrundlage zu schaffen. Es liegt uns am Herzen, den missverstandenen Hunden hier das Leben so angenehmen wie möglich zu machen, mit ihnen zu arbeiten und sie zu fördern. Wir bringen ihnen ein neues Konzept statt Aggression bei, helfen beim Reizschwellenabbau und bestärken sie positiv. Nur so kann ein Hund aus dem selbstbelohnenden Suchtkreislauf des Beißens herausgeholt werden.

Und hier nochmal unser Appell an alle Hundehalter und die, die es werden wollen: Infomieren Sie sich gründlich, welcher Hund bzw. welche Hunderasse gut zu Ihnen, Ihrer Familie und Ihren Lebensumständen passt. Lassen Sie sich beraten, gerne bei uns im Tierheim. Und wählen Sie NIE einen Hund rein nach der Optik aus oder weil sie ihn „cool“ finden. So helfen Sie nicht nur sich selbst dabei, einen passenden Familienbegleiter zu finden, sondern auch den Hunden, die dann nicht unter falscher Haltung leiden und dafür noch bestraft werden. Auch das ist Tierliebe und Tierschutz ♥

Hier kann man den Originalbeitrag lesen.

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