Wartender Hund an Fensterbank

 

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Viele Haustierbesitzer, besonders von Hunden und Katzen, kennen das Szenario: Sie kommen von der Arbeit oder vom Einkaufen nach Hause und ihr „Liebling“ wartet bereits hinter der Tür oder blickt von der Fensterbank nach draußen, dem Herrchen oder Frauchen entgegen. Dabei kommt sicherlich bei jedem einmal der Gedanke auf: „Kann mein Haustier eigentlich die Uhr lesen? Wie weiß es, dass ich jetzt nach Hause komme?“ Fragen, die auch die Wissenschaft seit längerer Zeit beschäftigen – mit erstaunlichen Ergebnissen.

Die biologische Uhr
Dem deutschen Biologen Dr. Mario Ludwig zufolge, ist unter anderem der „suprachiasmatische Nukleus“, ein Nervenknoten im Gehirn, für das Zeitgefühl von Tieren verantwortlich. Dieser Nervenknoten verarbeitet äußere Einflüsse wie Licht und sendet diese Informationen an andere Gehirnregionen, die daraufhin Nervenreize oder Hormone in den Körper leiten. Unter anderem das „Schlafhormon“ Melatonin, welches vermehrt bei Dunkelheit produziert wird. Dies steuert die Aktivitäts- und Ruhephasen der Tiere. Diese biologische Uhr ist besonders auffällig bei Kanarienvögeln und Sittichen zu beobachten. Die sonst sehr lautstarken und aktiven Vögel werden ruhig, sobald man ein Tuch über ihren Käfig legt – selbst mitten am Tag.

Über die biologische Uhr hinaus, sind Haustiere wie Hunde und Katzen auch in der Lage, Lichtverhältnisse (unterschiedliche Sonnenstände) und Töne mit Gewohnheiten zu verknüpfen. Wenn zum Beispiel morgens der Wecker klingelt oder die Kaffeemaschine läuft, wissen Mieze und Bello, dass es sehr wahrscheinlich bald Zeit für das eigene Frühstück ist.

Zeitgefühl mit der Nase?
Hunde besitzen zudem die erstaunliche Fähigkeit, durch ihren außergewöhnlich guten Geruchssinn Zeitunterschiede wahrzunehmen. Nach Aussagen verschiedener Experten, wie der Schweizer Hundetrainerin und Tierpsychologin Cinzia Lo Giusto, sowie Alexandra Horowitz, Wissenschaftlerin und Professorin an der Columbia University, können Hunde etwa über die Intensität des menschlichen Geruchs feststellen, ob eine Person erst vor kurzem gegangen, oder schon über einen längeren Zeitraum nicht mehr vor Ort ist. Unterstrichen wird dies durch die Rhen/Keeling-Studie aus dem Jahr 2011. Die beiden schwedischen Forscherinnen Therese Rhen und Linda Keeling haben festgestellt, dass Hunde – je nach Dauer der Abwesenheit des Besitzers – bei dessen Rückkehr ein anderes Verhalten an den Tag legen. Die Studie zeigte klar, dass die Hunde nach zwei Stunden etwa viel mehr mit dem Schwanz wedelten und das Gesicht der Probanden ableckten als nach 30 Minuten.

Die „virtual door step“-Studie
Einen weiteren wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Tiere eine Zeitwahrnehmung haben, erbrachten die Wissenschaftler der Northwestern University, Illinois, mit ihrer „virtual door step“-Studie aus dem Jahr 2018. Diese zeigt, dass Tiere die Zeit sogar autark wahrnehmen können, das heißt, ohne Abhängigkeit zu anderen Geschehnissen. Dafür wurden Experimente mit Mäusen durchgeführt (aus Tierschutz-Sicht durchaus bedenklich), bei dem sie auf einem Laufband durch eine Virtual-Reality-Umgebung (einen virtuellen Flur) laufen mussten, um an ihre Belohnung zu gelangen. Auf halber Strecke befand sich jedoch eine virtuelle Tür, die sich erst nach sechs Sekunden öffnete. Anschließend wurde die Umgebung verändert – ohne Tür. Das erstaunliche Ergebnis: Die Mäuse hielten an der gleichen Stelle, wo vorher die Tür stand, an und warteten exakt sechs Sekunden, bevor sie weitergingen.

Dem Forscher Daniel Dombeck (Teil des Wissenschaftsteams) von der Cornell University zufolge, sind die neu entdeckten „Zeitmesszellen“ der Grund für dieses Ergebnis. Diese Zellen sind beim Warten nicht nur aktiv, sie entschlüsseln auch, wie lange das Tier wartet. Eine Forschungsresultat, das die Sicht auf die Zeitwahrnehmung von Tieren verändert.

Fazit
Tiere schauen zwar nicht wie wir auf die Uhr und wissen: „Es ist halb sechs, jetzt müsste mein Mensch jeden Moment von der Arbeit kommen“, aber sie besitzen die Fähigkeit, auf verschiedene Weise zeitliche Abstände zu messen.

Hier kann man den Originalbeitrag lesen.

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