Mittelstandsbarometer Rhein-Kreis Neuss 2026

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Wirtschaft
| 10.09.2026

Gemeinsame Pressemitteilung des Rhein-Kreises Neuss, der Sparkasse Neuss, der IHK Mittlerer Niederrhein und der Creditreform Düsseldorf/Neuss.

Die Stimmungslage der mittelständischen Wirtschaft hat sich im Vergleich zur Umfrage aus dem Sommer 2025 leicht verbessert. Der Geschäftsklimaindex steigt im Vergleich zum Vorjahr um zwei Punkte auf nun 132 Punkte (2025: 130). Er liegt damit über dem langjährigen Durchschnitt von 127 Punkten. Das ist das Kernergebnis des Mittelstandsbarometers für den Rhein-Kreis Neuss, das Creditreform Düsseldorf/Neuss, der Rhein-Kreis Neuss, die Sparkasse Neuss und die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein vorgelegt haben. Basis ist eine telefonische Befragung von 500 Unternehmen aus allen Kommunen des Rhein-Kreises Neuss.

Umsatz- und Ertragsklima entwickeln sich wieder positiv

Die immer noch positive Konjunkturlage im Rhein-Kreis Neuss basiert dabei wesentlich auf einem weiterhin sehr positiven Auftragsklima, das sich im Vergleich zur Vorumfrage allerdings um zehn Punkte abgeschwächt hat. Gleichzeitig verzeichnet das Umsatzklima einen Sprung um acht Punkte auf 127 Punkte, während das Ertragsklima um fünf Punkte auf 123 Punkte steigt. Beide Werte bleiben allerdings unter dem Wert von 2024. Die Unternehmen arbeiten ihre laufenden Aufträge noch auf hohem Niveau ab. Gleichzeitig schwächt sich der Eingang neuer Aufträge ab. Das kann ein Hinweis darauf sein, dass die aktuelle Geschäftslage noch von bestehenden Reserven getragen wird, während der Ausblick auf die kommenden Monate vorsichtiger ausfällt. „Die Unternehmen trotzen den vielfältigen Krisen. Die leichte Verbesserung des Geschäftsklimaindexes ist zwar erfreulich, stellt jedoch noch kein Signal für eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung dar. Positiv ist, dass 75 Prozent der Unternehmen das Zahlungsverhalten ihrer Kunden als stabil einschätzen. Diese höhere Stabilität gegenüber dem Vorjahr darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der langfristige Trend seit 2021 weiterhin auf eine Zunahme der Zahlungsverzüge hindeutet. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen ihre Zahlungsziele in den vergangenen Jahren ausgeweitet haben und ihren Kunden heute mehr Zeit für die Begleichung ihrer Rechnungen einräumen“, ordnet André Becker, Mitglied der Geschäftsleitung von Creditreform Düsseldorf/Neuss, die Ergebnisse ein.

Geschäftsklimaindex: Trends bei den Hauptbranchen uneinheitlich

Die fünf untersuchten Hauptwirtschaftszweige entwickeln sich uneinheitlich. Das Verarbeitende Gewerbe meldet bessere Werte und kann sich um fünf Punkte steigern. Nach den deutlichen Verlusten im Vorjahr melden Handwerk und Bauwirtschaft wieder deutlich bessere Werte und gewinnen 14 bzw. 19 Punkte. Stabil bleiben die Dienstleister mit einem geringfügigen Zuwachs um einen Indexpunkt. Dagegen verliert der Handel deutlich und liegt jetzt mit 119 Punkten auf dem niedrigsten Stand seit der Corona-Pandemie.

Der Gesamtindex bleibt auf einem hohen Niveau. Die aktuellen Daten bestätigen, dass die regionalen Wirtschaftsunternehmen trotz der anhaltenden globalen Krisen und der sich verschlechternden internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland insgesamt weiterhin in einer insgesamt stabilen und soliden Verfassung sind. „Der Rhein-Kreis Neuss ist ein wirtschaftsstarker und international gefragter Standort mit hervorragenden Zukunftsperspektiven. Der Strukturwandel und die damit verbundenen Flächen bieten umfangreiche Chancen zur zukunftsorientierten Weiterentwicklung unseres Standorts. Diese Chancen nutzen wir und arbeiten dabei eng mit unseren Partnern und den Akteuren in der Region zusammen. Das unterstreichen Leuchtturmprojekte wie zum Beispiel die Umgestaltung des stillgelegten Braunkohlekraftwerks in Frimmersdorf zu einem Digital- und Innovationsstandort mit Strahlkraft weit über das Rheinische Revier hinaus“, betont Landrätin Katharina Reinhold. „Die Unternehmen werden bei uns auch künftig ausgezeichnete Standortbedingungen vorfinden, um erfolgreich wirtschaften und ihre Innovationskraft voll entfalten zu können.“

Strukturwandel: Mehr Betriebe erwarten Innovationsschub

Im Jahr 2026 zeigt das Mittelstandsbarometer eine leicht zunehmende Wahrnehmung des Strukturwandels und des Braunkohleausstiegs im Rheinischen Revier. 90 Prozent der Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss nehmen den Strukturwandel weiterhin aktiv wahr – das entspricht einer Zunahme von 3 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig wird die Bewertung des Prozesses zunehmend ambivalenter. Mit 59 Prozent sieht die Mehrheit der Unternehmen den Strukturwandel im Rhein-Kreis Neuss sowohl als Chance als auch als Risiko. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem deutlichen Anstieg um 18 Prozentpunkten. Gleichzeitig geht der Anteil der Unternehmen, die den Strukturwandel überwiegend positiv bewerten, spürbar zurück: Nur noch 24 % sehen darin eine (sehr große) Chance. Die überwiegend negative Einschätzung nimmt hingegen leicht auf 17 Prozent zu. Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, erklärt dazu: „Das Ergebnis zeigt, dass alle Akteure weiterhin engagiert daran arbeiten müssen, den Strukturwandel zum Erfolg zu führen. Die Förderung muss sich noch stärker an den Bedürfnissen der Wirtschaft orientieren. Die Unternehmen kennen die Chancen, sehen aber zugleich die Auswirkungen, die das Ende der Braunkohle für den energieintensiven Standort insgesamt haben kann. Entsprechend ist die Sorge vor einem Abbau von Arbeitsplätzen in der Region gewachsen. Dass inzwischen 69 Prozent der Unternehmen mit einem Innovationsschub rechnen, ist auf den Spatenstich von Microsoft für den Hyperscaler sowie auf die Ankündigung eines weiteren Hyperscalers in Grevenbroich zurückzuführen. Konkrete Projekte und sichtbare Ergebnisse überzeugen die Wirtschaft.“

Höhere Investitionsbereitschaft als im Vorjahr

Angesichts des verbesserten Ertragsklimas nimmt die Investitionsbereitschaft der regionalen Unternehmen (55 Prozent; +9 Punkte) in diesem Jahr zu. Sie liegt damit deutlich über dem Bundeswert, ist aber vom bisherigen Höchststand aus 2019 (65 Prozent) entfernt. Mit der insgesamt gestiegenen Investitionsbereitschaft verschieben sich 2026 auch die Investitionsschwerpunkte. Besonders deutlich nehmen Ersatzinvestitionen zu (+16 Prozentpunkte) und deuten auf einen erhöhten Bedarf zur Erneuerung bestehender Anlagen und Betriebsmittel hin. Erweiterungsinvestitionen bleiben mit einem leichten An-stieg auf 29 Prozent nahezu stabil. Demgegenüber gehen Innovationsinvestitionen deutlich um 12 Prozentpunkte auf 18 Prozent zurück. Auch Rationalisierungsinvestitionen verlieren mit einem Rückgang auf 4 Prozent weiter an Bedeutung. „Insgesamt zeigt sich, dass die Unternehmen ihre Investitionen derzeit verstärkt auf den Erhalt und die Modernisierung bestehender Strukturen konzentrieren, während innovative Vorhaben und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung aktuell eine geringere Priorität einnehmen. Gleichzeitig ist es wichtig, den Blick nach vorne zu richten und Zukunftsinvestitionen nicht dauerhaft aufzuschieben. Gerade in den Bereichen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Innovation entscheidet sich die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen in den kommenden Jahren. Erfreulich ist deshalb, dass mittlerweile zahlreiche Förderprogramme zur Verfügung stehen, die insbesondere die Bedarfe kleiner und mittlerer Unternehmen bei entsprechenden Investitionen gezielt unterstützen. Diese Angebote können helfen, notwendige Zukunftsprojekte wirtschaftlich tragfähig umzusetzen und Investitionshemmnisse abzubauen. Als Sparkasse Neuss informieren und beraten wir unsere Kundinnen und Kunden umfassend zu den passenden Fördermöglichkeiten und begleiten sie bei der Finanzierung ihrer Investitionsvorhaben“, so Marcus Longerich, Vorstandsmitglied der Sparkasse Neuss.

Zum Hintergrund

Mittelstandsbarometer Rhein-Kreis Neuss: Eine Initiative von Rhein-Kreis Neuss, Sparkasse Neuss, Creditreform Düsseldorf/Neuss und IHK Mittlerer Niederrhein Creditreform Düsseldorf/Neuss, der Rhein-Kreis Neuss, die Sparkasse Neuss und die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein haben im Sommer 2026 zum 19. Mal den Puls der Wirtschaft in den acht Kommunen des Rhein-Kreis Neuss gefühlt. Ziel der regelmäßigen Umfragen ist, den „Puls“ der mittelständischen Wirtschaft in unserer Region zu erfühlen. Hierzu wird u.a. erfragt, wie die hiesigen Unternehmen ihre derzeitige Geschäftssituation und die Aussichten für die nächsten Monate beurteilen. Zusätzlich wurden Themen wie das Investitions- und Zahlungsverhalten und die Bedeutung des Strukturwandels für die regionalen Betriebe abgefragt. Die Umfrageergebnisse werden der Öffentlichkeit auf einer Pressekonferenz sowie auf weiteren Veranstaltungen vorgestellt.

Download von Bericht und Pressemitteilung: 

Den Gesamtbericht und die Pressemitteilung können Sie auch als PDF downloaden – unter mittlerer-niederrhein.ihk.de/N456

Externer Link

Hier findet ihr den Originalbeitrag
Rhein-Kreis Neuss: Pressemeldungen aus dem Jahr 2026