Verabschiedung Anette Gruner „Mein Leben war immer sehr bunt“

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Wenn am kommenden Freitag Anette Gruner in den Ruhestand verabschiedet wird, geht ein ungewöhnlich vielfältiges, buntes, aber stets erfolgreiches Arbeitsleben zu Ende. Und das hat Spuren in der Kastanienschule in Hoeningen hinterlassen, deren Leiterin sie seit 2018 war.

Geboren in Mönchengladbach studierte Gruner zunächst Klavier an der Folkwang-Hochschule in Essen. Später kam sie an die Bergische Universität in Wuppertal, absolvierte ihr Referendariat im Kreis Mettmann. Es folgten „viele unterschiedliche Aufgabengebiete“: Referendar-Aus- und Lehrer-Weiterbildung, Unterrichtsentwicklung, Moderation für die Bezirksregierung und nicht zuletzt die „Grundschul-Werkstatt“, in der es um die Formulierung moderner Lernfragen und um individuelle Förderung jeden einzelnen Kinder ging.

„Dann irgendwann habe ich Kinder bekommen (zwei Töchter). Unsere Wohnung wurde zu klein; wir zogen nach Dormagen“, plaudert Anette Gruner. Fünf Jahre lang war sie „Mutter“ und nicht mehr in einer Schule tätig.

Als sie wieder in den Unterricht zurückkehren wollte, ließ Gruner sich ganz bewusst zurückstufen. „Ich habe mir gesagt, Klassenlehrerin ist auch gut“, lacht sie rückblickend. Denn recht bald wurde für die Dormagener Grundschule eine Leiterin gesucht. Natürlich wusste man um ihre Vorgeschichte … „und dann kommt man schnell zu solchen Sachen“. 2018 wechselte sie dann nach Hoeningen. „Mein Leben war immer sehr bunt. Und das habe ich geliebt“, postuliert sie strahlend.

Der Posten der Schulleitung sei, so die Fachfrau weiter, mit sehr viel Verantwortung und sehr viel Arbeit verbunden. „Jeden Sommer gibt es den Nervenkitzel ,Wie ist die Schule besetzt? Habe ich genug Lehrer?‘. Und da habe ich immer Glück gehabt. Immer nur grundständig ausgebildete Lehrerinnen an meiner Kastanienschule“, plaudert Anette Gruner, die des Lobes voll für ihr Kollegium und das OGS-Team ist. „Wir ziehen an einem Strang. Ohne das Team im Rücken könnte man nicht erfolgreich arbeiten.“

Was den Umgang mit den Eltern angeht, habe sich „Schule in den vergangenen 30 Jahren sehr geändert“, führt sie aus: „Die Eltern vertrauen sehr darauf, dass die Schule ihre Kinder erzieht“. Nicht nur Lesen und Schreiben sollten vermittelt werden, vielmehr solle es um die gesamte „Erziehung“ gehen. Hier hat die erfahrene Pädagogin allerdings Bedenken: „Das geht aber nicht. Die erste Prägung bekommen die Kinder aus dem Elternhaus. Die Eltern haben somit mehr Einfluss, als Schule jemals leisten kann“.

Auch wenn die Kastanienschule in Hoeningen wie ein echtes kindliches Refugium, ein modernes „Bullerbü“ mit Wohlfühlgarantie wirke, gebe es die andere Seite: Die Schule hat ein Kinderschutzkonzept aufgelegt. Immer wieder gebe es Gespräche mit „Kindern in Not“. Und sie mache sich „ernsthaft Sorgen um das ein oder andere Kind“.

Gerade das Internet deutet Anette Gruner als eine große Gefahrenquelle. „Da sehen die Kinder Sachen, die sie wirklich nicht sehen sollten.“ Deshalb wurde die Kastanienschule per Beschluss der Schulversammlung zur handyfreien Schule gemacht. Die vierten Klassen seien „i-Pad“-Klassen. Und auch in den Jahrgängen davor werde der vorsichtige Umgang mit dem Internet schon trainiert.

Darüber gibt es aber vor allem drei Schul-Schwerpunkte: den „Acker“ (da, wo Natur greif- und pflückbar wird), die Musik (bei den Aufführungen können Grundschüler zu mutigen Solisten werden), das Lesen (mit klaren Methoden zu Lesezeiten im Unterricht oder in der OGS in den Chill-Ecken). „Auch selbst geschriebene Texte können in den Klassen vorgetragen werden“, berichtet die Bald-Pensionärin.

Eine Nachfolgerin für Anette Gruner ist übrigens in Sicht. Konrektorin Susanne Jacobs bleibt der Schule zudem erhalten.

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