Willmann, der in der französischen Atlantikstadt ein Ferienhaus besitzt und die Region seit vielen Jahren kennt, hatte den Austausch vermittelt. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die deutsch-französische Freundschaft, die Zukunft Europas sowie die Frage, wie Kommunen und insbesondere junge Menschen noch stärker miteinander in Kontakt gebracht werden können.
„Europa darf für uns nicht nur eine Institution in Brüssel oder Straßburg sein. Europa muss im Alltag der Menschen stattfinden – durch Begegnungen, Freundschaften, Schüleraustausche. Kurz: durch das gegenseitige Kennenlernen“, betont Bürgermeister Dr. Martin Mertens.
Gerade vor dem Hintergrund zunehmender europaskeptischer, nationalistischer und rechtsextremistischer Strömungen in unterschiedlichen europäischen Ländern seien persönliche Begegnungen wichtiger denn je. Deutschland und Frankreich komme dabei aufgrund ihrer gemeinsamen Geschichte eine besondere Verantwortung zu.
„Unsere beiden Länder haben über Jahrhunderte erlebt, wohin Nationalismus, Abgrenzung und Feindschaft führen können. Dass Deutsche und Franzosen heute selbstverständlich als Freunde zusammenkommen, ist eine der großen europäischen Errungenschaften. Diese Freundschaft ist aber nichts, was wir einfach als gegeben hinnehmen dürfen. Jede Generation muss sie neu mit Leben füllen“, so Mertens.
Auch Michael Willmann engagiert sich seit vielen Jahren intensiv für den europäischen Austausch. Sein besonderes Augenmerk liegt dabei auf Begegnungen junger Menschen, zum Beispiel von Schülern. Gemeinsam wurde deshalb mit Bürgermeister Blanchet darüber gesprochen, welche zusätzlichen Kontakte und Kooperationen sich künftig entwickeln lassen und wie bestehende schulische Verbindungen weiter vertieft werden können.
Für Mertens und Willmann fügt sich die Begegnung in Saint-Gilles-Croix-de-Vie in ihr langjähriges Engagement für die europäischen Beziehungen Rommerskirchens ein. Besonders eng ist die Verbindung zur französischen Partnergemeinde Mouilleron-le-Captif in der Vendée. Seit mehr als zwei Jahrzehnten bestehen hier intensive Kontakte zwischen Familien, Vereinen, Jugendlichen und den kommunalen Vertretern beider Gemeinden.
Während seines Aufenthalts in Frankreich nutzte Mertens deshalb auch die Gelegenheit zu einem kurzen Besuch in Mouilleron-le-Captif. Für ihn sei es selbstverständlich, auch außerhalb der offiziellen Delegationsreisen den persönlichen Kontakt zur Partnergemeinde zu pflegen.
Daneben werden die freundschaftlichen Beziehungen zur belgischen Stadt Limbourg in der Wallonie weiter ausgebaut. Gerade die Verbindung zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien besitzt für Mertens eine besondere historische und europäische Symbolkraft.
„Unsere Region liegt im Herzen Europas. Die Grenzen, die unsere Großeltern und Urgroßeltern noch getrennt haben, verbinden uns heute. Aus ehemaligen Gegnern sind Freunde und Partner geworden. Das ist ein historisches Geschenk – und zugleich eine Verpflichtung“, erklärt Mertens.
Besonders wichtig sei dabei, junge Menschen für Europa zu gewinnen. Schüleraustausche und Jugendbegegnungen seien deshalb weit mehr als Freizeit- oder Bildungsangebote. Sie seien konkrete Friedensarbeit.
Mertens und Willmann sind sich einig, dass kommunale Partnerschaften gerade in politisch unruhigeren Zeiten an Bedeutung gewinnen. Während auf internationaler Ebene über Krisen, Kriege, Nationalismus und die Zukunft der Europäischen Union diskutiert werde, könne Europa auf kommunaler Ebene ganz unmittelbar erlebt werden.
„Europa beginnt nicht erst in Brüssel. Europa beginnt dort, wo ein deutscher Schüler bei einer französischen Familie am Frühstückstisch sitzt, wo Vereine einander besuchen und wo aus Kontakten Freundschaften fürs Leben entstehen“, so Mertens.
Der Austausch mit Bürgermeister François Blanchet soll deshalb nicht die letzte Begegnung gewesen sein. Mertens und Willmann wollen gemeinsam prüfen, wie die Kontakte zwischen Rommerskirchen, Saint-Gilles-Croix-de-Vie, Mouilleron-le-Captif und Limbourg sowie insbesondere die Begegnungen junger Menschen künftig weiterentwickelt werden können.
„Wer ein starkes Europa will, muss dafür sorgen, dass die Menschen einander kennen. Freundschaft, Demokratie und Frieden entstehen nicht von selbst. Wir müssen sie pflegen – über Parteien, Generationen und Landesgrenzen hinweg“, so Mertens und Willmann abschließend.
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https://www.rommerskirchen.de/grenzueberschreitendes-buergermeistertreffen-europa-beginnt-nicht-erst-in-bruessel/
