Wasser für den Gillbach: Welche Lösungen sind möglich – und wer müsste sie umsetzen?

Wasser für den Gillbach: Welche Lösungen sind möglich – und wer müsste sie umsetzen?

Rheinwasser, Brunnen, Regenrückhalt oder Wasser aus einer künftigen Kraftwerksanlage: Für die Zeit nach Niederaußem werden verschiedene Wege diskutiert. Das Gillbach-Konzept von Mai 2026 prüft ihre Voraussetzungen und Grenzen. Für einen dauerhaft fließenden Ober- und Mittellauf liegt damit aber noch keine beschlossene und finanzierte Lösung vor.

Gillbach-Serie, Teil 3 · Stand: 27. September 2026

In den ersten beiden Teilen dieser Serie ging es um die heutige Abhängigkeit des Gillbachs vom Kraftwerk Niederaußem und um seine Geschichte. Die praktische Frage lautet nun: Woher könnte das Wasser künftig kommen?

Zunächst muss das Ziel geklärt werden. Soll der Bach von Auenheim bis zur Erft auch bei Trockenheit durchgehend Wasser führen? Geht es um einzelne dauerhaft benetzte Abschnitte? Oder soll sich der Oberlauf zu einem zeitweise wasserführenden Bördenbach entwickeln, während der Unterlauf gestützt wird?

Je nach Antwort unterscheiden sich Wasserbedarf, Eingriffe, Kosten und rechtliche Anforderungen erheblich.

Wie viel Wasser wäre für einen durchgehend fließenden Bach nötig?

Das Fachkonzept nutzt für eine dauerhaft durchgehende Wasserführung eine Arbeitsannahme von mindestens rund 200 Litern pro Sekunde. Das wären rechnerisch etwa 6,3 Millionen Kubikmeter im Jahr.

Diese Zahl ist kein bereits festgelegter ökologischer Mindestabfluss für jeden Abschnitt. Das Konzept weist selbst darauf hin, dass für eine genaue Planung unter anderem Versickerung, Verdunstung und die erforderliche Wassertiefe näher untersucht werden müssten. Sie zeigt aber die Größenordnung, in der eine dauerhafte technische Versorgung zu denken wäre.

Neue Brunnen: Der untersuchte Vorrat reicht nicht

Eine Möglichkeit wären neue Brunnen in der Nähe des Kraftwerksstandorts Niederaußem. Das Fachkonzept untersuchte dafür theoretisch eine Förderung aus tieferen Grundwasserstockwerken über ungefähr zwölf Brunnen.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Im betrachteten Einzugsgebiet stehen nach der Untersuchung höchstens rund 0,9 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr zur Verfügung. Für die angenommene durchgehende Versorgung wären etwa 6,3 Millionen Kubikmeter erforderlich. Dazu kämen Fragen der Wasserqualität, der Aufbereitung, möglicher Auswirkungen auf andere Nutzungen und der laufenden Kosten.

Eine vollständige dauerhafte Speisung allein durch diese neuen Brunnen ist auf dieser Grundlage keine belastbare Lösung.

Rheinwasser: Für den Unterlauf vorgesehen, für den Oberlauf nur untersucht

Die Rheinwassertransportleitung soll unter anderem die Tagebauseen Hambach und Garzweiler füllen und wasserwirtschaftliche Folgen des Braunkohleausstiegs abfedern.

Für den Gillbach-Unterlauf ab Widdeshoven ist eine Einleitung von Rheinwasser vorgesehen, bis dort wieder ein ausreichender Grundwasserkontakt besteht.

Auch eine Einleitung in den Oberlauf wurde im Gillbach-Konzept betrachtet. Sie wäre allerdings kein einfacher Anschluss an eine ohnehin vorbeiführende Leitung. Nach dem Konzept wären unter anderem rund drei Kilometer zusätzliche Rohrleitung und Pumptechnik erforderlich. Hinzu kämen Investitions- und Betriebskosten.

Außerdem würde der Hambach-Ast der Leitung bei niedrigen Rheinwasserständen nicht jederzeit Wasser führen. Seine Nutzung ist an die Befüllung des Tagebausees gekoppelt. Vor allem aber gilt: Das mit den Behörden abgestimmte Entnahmekonzept sieht bisher keine Rheinwassernutzung für den Gillbach-Oberlauf vor.

Wer diese Möglichkeit weiterverfolgen will, muss deshalb mehr klären als eine technische Trasse: Wasserverfügbarkeit, Entnahmerechte, ökologische Folgen, Genehmigung und dauerhafte Finanzierung.

Sümpfungswasser: Allenfalls eine Übergangsmöglichkeit

Nachlaufendes Sümpfungswasser aus dem Bereich des Tagebausees Hambach könnte grundsätzlich zeitweise zum Gillbach geleitet werden. Vorhandene Infrastruktur würde dabei eine Rolle spielen.

Das Fachkonzept nennt jedoch wesentliche Grenzen. Die Mengen sind derzeit für die Seefüllung vorgesehen und wären voraussichtlich nur für einen begrenzten Zeitraum ausreichend. Zudem müsste die Wasserqualität geprüft werden; eine Aufbereitung könnte erforderlich sein. Auch diese Variante verursachte zusätzliche Investitionen und laufende Kosten.

Damit ist sie allenfalls als mögliche Übergangsoption zu verstehen, nicht als bereits verfügbare Dauerlösung.

Eine mögliche Gasanlage in Neurath

Im Zusammenhang mit einer möglichen Gas-und-Dampf-Anlage am Standort Neurath wird auch über dort anfallende Betriebsabwässer gesprochen. Theoretisch könnten sie zur Wasserführung beitragen.

Ob die Anlage tatsächlich gebaut wird, steht jedoch nicht fest. Eine Ableitung zum Gillbach müsste erst geschaffen werden. Zudem würde ein solches Kraftwerk voraussichtlich nicht kontinuierlich betrieben; ein gleichmäßiger Wasserzufluss wäre also nicht automatisch gegeben.

Die Formulierung „Ein neues Kraftwerk versorgt später den Gillbach“ wäre zum jetzigen Zeitpunkt eine unbelegte Verkürzung.

Regenwasser speichern und die Aue stärken

Wasser aus Siedlungsgebieten fließt schon heute bei Regen in den Gillbach. Rückhaltebecken und Filteranlagen begrenzen dabei unter anderem Abflussspitzen und Belastungen. Sie müssen nach einem Regenereignis jedoch wieder Kapazität für den nächsten Niederschlag schaffen. Das vorhandene System kann Wasser nicht über Wochen für eine längere Trockenperiode bevorraten.

Das Konzept nennt daneben Möglichkeiten, Wasser länger in der Landschaft zu halten: naturnähere Grabensysteme, Feuchtbiotope, Uferrandstreifen, Gehölze und weitere Maßnahmen im Bachraum. Sie könnten Artenvielfalt, Biotopverbund und den örtlichen Wasserhaushalt verbessern. Ob, wo und in welchem Umfang sie umgesetzt werden, erfordert konkrete Planung. Sie ersetzen auch keine gesicherte Wasserquelle in der Größenordnung der heutigen Kraftwerkseinleitung.

Die rechtliche Frage gehört dazu

Der Rommerskirchener Gemeinderat hat sich parteiübergreifend für einen möglichst dauerhaft fließenden Gillbach ausgesprochen. Die derzeitige Bewirtschaftungsplanung beschreibt für den Oberlauf dagegen einen weitgehend unbeeinflussten, zeitweise wasserführenden Lösslehm-Bach als Ziel.

Das Gillbach-Konzept hält fest, dass eine künstliche Speisung zur Sicherung einer durchgehenden Wasserführung im Oberlauf den geltenden behördenverbindlichen Bewirtschaftungsvorgaben entgegensteht. Wer ein anderes Ziel erreichen will, muss diesen Widerspruch fachlich und rechtlich bearbeiten.

Für wasserrechtliche Zulassungen sind grundsätzlich die Unteren Wasserbehörden der zuständigen Kreise maßgeblich. Bei Gewässerbenutzungen im Rahmen eines bergrechtlichen Betriebsplans kann die Bezirksregierung Arnsberg zuständig sein. Hinzu kommen weitere Beteiligte für Braunkohleplanung, Gewässerunterhaltung und mögliche Finanzierung. Rommerskirchen kann die Zusammenarbeit vorantreiben, aber eine regionale Wasserlösung nicht allein beschließen und umsetzen.

Was hat die Arbeit vor Ort bisher gebracht?

Die Gemeinde initiierte 2023 eine Facharbeitsgruppe mit Erftverband, RWE, den beiden Kreisen und Bergheim. 2024 wurden Bürgerinnen und Bürger sowie der Gemeinderat über den Sachstand informiert. Im Mai 2026 lag schließlich ein gemeinsames Fachkonzept vor und wurde im Rat beraten.

Der Rat beschloss zudem, das Thema regelmäßig in seinen zuständigen Ausschüssen zu behandeln, und bekräftigte den politischen Willen zum Erhalt des Gillbachs als Fließgewässer. Im September wurde erneut über Zeitabläufe und politische Unterstützung gesprochen.

Das sind konkrete Schritte bei Aufklärung und Abstimmung. Der nächste messbare Fortschritt wäre eine abschnittsgenaue Planung: mit gewünschter Wasserführung, geeigneter Quelle, Prüfung der Zulässigkeit, Zuständigkeit, Kosten und Zeitplan.

Unser Aufruf an die Beteiligten: Welche dieser Optionen wird derzeit über das Fachkonzept hinaus konkret geprüft? Gibt es für den Ober- und Mittellauf bereits eine definierte Zielwassermenge, einen Prüfauftrag, Kostenschätzungen oder Gespräche über eine Anpassung der Bewirtschaftungsplanung? Gemeinde, Erftverband, RWE, Wasserbehörden, Fraktionen und Initiativen können uns dazu gern Dokumente und fachliche Stellungnahmen übermitteln. Wir werden neue belastbare Informationen und Korrekturen mit Datum kenntlich machen.

Quellen: Gillbach-Konzept der Facharbeitsgruppe, Mai 2026; Rhein-Kreis Neuss, Vorlage zum Konzept; Gemeinde Rommerskirchen zur Beratung im Rat; Gemeinde Rommerskirchen zu den jüngsten zeitlichen Fragen.