Finanzen
| 14.10.2026
Die Finanzlage der kommunalen Familie in Deutschland hat sich weiter verschärft und ist so dramatisch wie noch nie in der bundesdeutschen Geschichte. Diese Entwicklung macht auch vor dem wirtschaftsstarken Rhein-Kreis Neuss nicht Halt. Der Kreis und die acht kreisangehörigen Kommunen spüren den enormen Finanzdruck auf ihre Haushalte immer stärker. Bundesweit steigende Sozialausgaben, wachsende Pflichtaufgaben und die angekündigte Erhöhung der Landschaftsumlage durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR) verschärfen den finanziellen Druck weiter.
Die Eckdaten des Haushaltsentwurfs des Rhein-Kreises Neuss für 2027, die Landrätin Katharina Reinhold und Kreiskämmerer Bijan Djir-Sarai jetzt in der Hauptverwaltungsbeamtenkonferenz mit den Bürgermeistern besprochen haben, spiegeln diese Entwicklung wider. „Wir müssen diese Herausforderungen in einem starken und vertrauensvollen Miteinander bewältigen. Der Kreis spart und streckt sich in Solidarität mit den Kommunen, wo es möglich ist. Allerdings können wir die strukturellen Probleme in der kommunalen Finanzausstattung selbst mit größter Haushaltsdisziplin nicht ausgleichen und können daher selbst unter Berücksichtigung eines globalen Minderaufwandes eine Anhebung des Hebesatzes der Kreisumlage nicht vermeiden.“
Die weiter steigende Landschaftsumlage gehört – auch wenn die endgültige Höhe noch nicht feststeht – zu den Kostentreibern im Entwurf des Kreishaushalts für 2027. Nach der aktuellen Berechnungsgrundlage könnte sich die Belastung des Rhein-Kreises Neuss gegenüber 2026 um rund 27,5 Millionen Euro erhöhen. Damit würde die Landschaftsumlage auf eine Rekordhöhe von rund 194,5 Millionen Euro steigen und rund ein Viertel des Gesamthaushaltsvolumens der Kreisverwaltung betragen. Auch die Aufwendungen für Sozialleistungen sind seit Jahren ansteigend. Die Schlüsselzuweisungen des Landes an den Kreis hingegen gehen in 2027 um rund 6,6 Millionen Euro zurück. Auch diese wichtige Einnahmequelle kann der Kreis selbst nicht beeinflussen.
Laut aktuellem Haushaltsentwurf ist für 2027 eine Erhöhung des Hebesatzes der Kreisumlage um fünf Prozentpunkte von derzeit 35,87 Prozent auf 40,87 Prozentpunkte notwendig. „Alleine 2,8 Prozentpunkte dieser Erhöhung gehen auf die Landschaftsumlage zurück“, weist Kreiskämmerer Djir-Sarai nochmals hin.
Er hebt hervor, dass die Kreisumlage nicht einmal ausreicht, um die vorgegebenen Sozialleistungen zu finanzieren. „Auch mit der aufgrund der Notwendigkeit vorgesehenen Anhebung decken die Erträge aus der Kreisumlage die Aufwendungen für Sozialleistungen inklusive Landschaftsumlage nicht. Die Aufwendungen liegen in einer Größenordnung von 415,7 Millionen Euro – dem stehen Erträge von rund 401,3 Millionen aus der Kreisumlage gegenüber.“ Der Kreiskämmerer weist darauf hin, dass die Kostensteigerungen bei den Aufwendungen nicht hausgemacht sind. „Sie können in der Höhe nicht von uns beeinflusst werden und müssten auch getragen werden, wenn es den Kreis nicht gäbe.“
Bijan Djir-Sarai hebt zudem hervor, dass der Kreis den Kommunen bereits in den vergangenen Jahren mit Blick auf deren Haushaltslage bei der Kreisumlage entgegengekommen ist und diese niedriger angesetzt hatte als dies erforderlich gewesen wäre. „Das war nur durch den Verzehr der Rücklagen des Kreises möglich. Die Ausgleichsrücklage, die noch in 2023 bei 52 Millionen Euro lag, wurde komplett aufgebraucht. Wenn der Verzehr des Eigenkapitals so fortgesetzt wird, gerät der Kreis in die Haushaltssicherung. Dann nimmt die Bezirksregierung Düsseldorf nicht nur Einfluss darauf, welche Ausgaben getätigt werden dürfen, sondern auch auf die Höhe der Kreisumlage.“
Der Kreis hat seinen umfassenden Sparkurs daher weiter verschärft. Dazu zählt, dass ab sofort und bis zum 31. Dezember 2027 eine grundsätzliche Wiederbesetzungssperre für freiwerdende Stellen in der Kreisverwaltung in Kraft ist. Damit setzt Landrätin Katharina Reinhold weitere Maßnahmen zur Konsolidierung des Kreishaushalts um. Hinzu kommt die durch die Kreisverwaltung geplante Reform des Straßenverkehrsamts mit der Bündelung der Dienstleistungen an zwei statt wie bislang vier Dienststellen sowie eine Intensivierung der interkommunalen Zusammenarbeit auch über Kreisgrenzen hinweg wie zum Beispiel bei der geplanten Erneuerung der Leistelle an einem gemeinsamen Standort mit der Stadt Düsseldorf.
„Wir sparen kurzfristig, stellen den Kreishaushalt aber insbesondere auch langfristig auf ein tragfähiges Fundament. Dazu nehmen wir umfassend Sparpotenziale in den Blick und setzen auf eine Aufgabenkritik sowie eine verlässliche und vertrauensvolle interkommunale Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, betont Katharina Reinhold. „Aber wir nehmen auch Akteure wir den LVR in die Pflicht und fordern ihn dazu auf, die dort vorhandenen hohen Standards anzupassen und die Kommunen über eine geringere Landschaftsumlage zu entlasten. Dafür werde ich mich auch in der Landschaftsversammlung mit Nachdruck einsetzen.“
Die Kreisverwaltung lotet auch weiterhin umfänglich Potenziale aus, um weiter Kosten zu senken. Das zeigt auch der Haushaltsentwurf für 2027. „Auch wenn wir kein Befürworter des globalen Minderaufwands sind, planen wir mit Blick auf die derzeitige finanzielle Situation der Kommunen einen globalen Minderaufwand von 0,5 Prozent bereits mit ein“, sagt Katharina Reinhold. Dies gilt, obwohl diese 0,5 Prozent im laufenden Haushaltsjahr voraussichtlich nicht erreicht werden können. Zudem macht sich die Landrätin weiter für eine Reform der kommunalen Finanzierung stark. „Wir können die strukturellen Probleme der kommunalen Finanzierung nicht alleine auf Kreisebene lösen. Neben unseren eigenen Konsolidierungsanstrengungen braucht es tragfähige Lösungen von Bund und Land für eine dauerhaft auskömmliche Finanzierung der kommunalen Aufgaben.“
Die Bürgermeister aller kreisangehörigen Kommunen haben den Kreis in der Hauptverwaltungsbeamtenkonferenz aufgefordert, weitere Anstrengungen zur Konsolidierung zu unternehmen und den globalen Minderaufwand auf zwei Prozent auszuweiten. Landrätin Katharina Reinhold und Kämmerer Bijan Djir-Sarai haben zugesagt, die Vorschläge der Bürgermeister zu prüfen.
Katharina Reinhold betont, dass es auch weiterhin möglich sein muss, besondere Schwerpunkte für die zukunftsorientierte Weiterentwicklung des Kreises zu setzen. „Davon profitieren die Menschen, die im Rhein-Kreis Neuss leben und arbeiten, ebenso wie die Kommunen“, hebt die Landrätin hervor. Besondere Schwerpunkte setzt der Kreis in 2027 zum Beispiel bei Schulbaumaßnahmen sowie im Bereich Bevölkerungsschutz, Kreisleitstelle, Gefahrenabwehr und Jugendamt.
Die Einbringung des Haushalts erfolgt am 9. Dezember. Anschließend beraten die Ausschüsse und Fraktionen, bevor der Kreistag den Haushalt voraussichtlich am 17. März 2027 beschließen soll.
Hier findet ihr den Originalbeitrag
Rhein-Kreis Neuss: Pressemeldungen aus dem Jahr 2026
